Das erste Smartphone

Wie kann ich mein Kind
vor sexueller Gewalt
im Internet schützen?

Das erste Smartphone und sexuelle Gewalt – Was muss ich wissen?

Erziehungsberechtigte stehen vor der Herausforderung, ihre Kinder dabei zu begleiten. Dies ist besonders wichtig, da Kinder immer jünger online sind und neben vielen positiven Erlebnissen oft auch belastende Erfahrungen in der digitalen Welt machen.
Kinder wachsen mit digitalen Medien auf und nutzen sie alltäglich. Sie lernen damit u.a.

  • soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, insbesondere über Soziale Medien oder Messenger-Dienste
  • sich kreativ auszudrücken und auszuprobieren, beispielsweise durch das Teilen von Fotos, Videos oder Zeichnungen
  • eine eigene Rollen- und Geschlechtsidentität zu entwickeln, indem sie online ihre Interessen erkunden und nach Vorbildern suchen
  • sich zu informieren, beispielsweise für schulische Aufgaben

Ab welchem Alter sollte mein Kind ein Smartphone bekommen dürfen?

Viele Eltern wünschen sich als Antwort auf diese Frage eine klare Altersangabe. Sinnvoller als auf das Alter zu schauen ist es jedoch, den Entwicklungsstand des Kindes zu betrachten.

Unsere Checkliste kann Ihnen helfen zu überprüfen, ob Ihr Kind bereit ist für ein Smartphone oder noch nicht.

Zu den Risiken, denen Kinder im Internet ausgesetzt sind, gehört auch digitale sexuelle Gewalt. Zum einen werden Kinder beim Surfen schnell mit ungeeigneten und stark sexualisierten Inhalten, beispielsweise Pornografie, konfrontiert. Zum anderen können sie überall dort Opfer von digitaler sexueller Gewalt werden, wo sie online mit anderen Personen kommunizieren – insbesondere auf Social-Media-Plattformen, in Online-Spielen oder über Messenger-Dienste. Die Bandbreite digitaler sexueller Gewalt reicht dabei von sexueller Belästigung über sexuelle Übergriffe bis hin zum sexuellen Missbrauch.

Welche Formen digitaler sexueller Gewalt gibt es?

Sexuell belästigende Kommunikation

Sexuell belästigende Kommunikation

Bild-Posts, Storys oder Live-Streaming – gerade Soziale Medien wie TikTok und Instagram bieten auch für Kinder attraktive Möglichkeiten sich auszuprobieren, in Szene zu setzen und mit anderen auszutauschen. Durch Direktnachrichten oder Kommentare unter den eigenen Beiträgen können Kinder aber auch leicht sexuell belästigt werden. Kommentare können beispielsweise beinhalten:

  • Andeutungen von sexuellem Interesse („Hey, ich find dich sexy!“)
  • sexualisierte indirekte oder zweideutige Ansprache („Meiner ist 15 cm…“)
  • sehr direkte sexualisierte Ansprache („Du bist so hot! Ich komm schon wieder!“)
  • unerwünschte Zusendung sexueller Inhalte (z.B. Dickpics, also explizite Abbildungen meist männlicher Genitalien)
  • explizite Fragen nach einem Treffen, verbunden mit eindeutigen sexuellen Absichten
Missbräuchliches Sexting

Missbräuchliches Sexting

Der Austausch intimer Bilder und Videos wird als „Sexting“ (zusammengesetzt aus „Sex“ und „Texting“) bezeichnet. Zu sexueller Gewalt wird Sexting, wenn Kinder ungefragt Nacktfotos zugeschickt bekommen oder wenn sie verleitet werden, (Nackt-)Fotos von sich zu erstellen oder zu senden. Auch wenn solche Bilder oder Videos dann von der jeweiligen Person weitergegeben werden, beispielsweise in der Schule über Klassenchats, ist dies sexuelle Gewalt. Der Austausch von intimem Bild-Material von Kindern unter 14 Jahren ist in Deutschland grundsätzlich verboten.

Sextortion

Sextortion

Kinder können online mit Personen in Kontakt kommen, deren Ziel es ist intime Aufnahmen zu erhalten, um sie damit anschließend zu erpressen. Dabei spricht man von „Sextortion“ („Sex“ und „Extortion“, engl. Wort für Erpressung). Oftmals drohen Täter und Täterinnen, vom Kind gesendete Aufnahmen zu veröffentlichen. Sie fordern beispielsweise Geld oder weitere, explizitere Aufnahmen, weil sie sonst die Bilder an Freund*innen, Eltern oder auch weitere Personengruppen schicken würden. Kommt das betroffene Kind solchen Forderungen nach, hören die Erpressungen in der Regel nicht auf, sondern werden sogar verschärft.

Cybergrooming

Cybergrooming

Cybergrooming bezeichnet die Anbahnung sexueller Kontakte gegenüber Kindern im Internet.

Das englische Wort „Grooming“ bedeutet „Striegeln“ und steht sinnbildlich für die zum Teil sehr subtile Annäherung an Minderjährige, über die der geplante sexuelle Missbrauch von Kindern vorbereitet wird. Täter und Täterinnen versuchen, Kinder beim Cybergrooming oft in zunächst harmlos wirkende Gespräche zu verwickeln. Dabei geben sie sich zum Teil mit Hilfe von sogenannten Fake-Profilen beispielsweise als Gleichaltrige aus. Sobald der Kontakt hergestellt ist, wird die Kommunikation dann auf privateren Kanälen, beispielsweise WhatsApp, fortgeführt.

Ist ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, finden schließlich verstärkt sexuelle Übergriffe statt. Dies kann im digitalen Raum erfolgen, wo betroffene Kinder ungefragt intime oder pornografische Aufnahmen erhalten oder auch aufgefordert werden, sexuelle Handlungen live vor der Kamera an sich vorzunehmen. Immer wieder kommt es auch zu Verabredungen außerhalb des Internets, die seitens der erwachsenen Person massiv eingefordert oder gar erpresserisch initiiert werden. Solche Treffen bergen ein hohes Risiko, dass es zu körperlichen sexuellen Übergriffen und damit zum Missbrauch des Kindes kommt.

Online bleibt nichts privat!

Online bleibt nichts privat!

Intime Bilder und Texte können immer wieder geteilt werden und existieren so auch weiter, selbst wenn sie an anderer Stelle gelöscht wurden. Gerade wenn Kinder digitale sexuelle Gewalt erfahren haben, können sich erlebte Ohnmachtserfahrungen dadurch vielfach wiederholen.

Tipp: Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Kind darüber, dass online nichts privat bleibt. Aufnahmen, die einmal verschickt oder veröffentlicht wurden, können immer wieder auftauchen.

Pornografie und Missbrauchsdarstellungen

Pornografie und Missbrauchsdarstellungen

Es ist nicht erlaubt, Kinder mit pornografischen Inhalten zu konfrontieren. Dennoch gibt mehr als jedes Vierte Kind im Alter zwischen 11 und 13 Jahren an, bereits Pornografie gezeigt oder zugeschickt bekommen zu haben, ohne dass es das wollte.

Mit Missbrauchsdarstellungen werden intime Aufnahmen von Kindern unter 14 Jahren bezeichnet. Auch Fotos, die von Kindern selbst angefertigt und online verbreitet werden, zählen dazu. Sie gelten strafrechtlich als kinderpornografisches Material, dessen Verbreitung, Erwerb und Besitz in Deutschland strafbar ist.

Digitale sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige

Digitale sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige

Auch Kinder verbreiten intime oder pornografische Aufnahmen untereinander. Dies geschieht jedoch meist ohne schädigende Absicht. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, pornografische Inhalte und Missbrauchsabbildungen nicht zu speichern und/oder weiterzuverbreiten, sondern zu melden. Erklären Sie insbesondere, dass der Besitz sowie die Weiterverbreitung intimer Aufnahmen von Kindern unter 14 Jahren strafbar ist.

Was muss ich über Täter und Täterinnen wissen?

Was muss ich über Täter und Täterinnen wissen?

Digitale sexuelle Gewalt kann von Menschen aus dem näheren Umfeld (z.B. Freund*innen, Familienangehörige, Sporttrainer*innen) verübt werden, aber auch von fremden Personen, die Ihr Kind online kennengelernt hat. Täter und Täterinnen können Erwachsene, ältere Jugendliche, aber auch Gleichaltrige sein. In den meisten Fällen digitaler sexueller Gewalt sind die Tatbegehenden männliche Erwachsene oder männliche Jugendliche. Die Betroffenen sind zwar mehrheitlich weibliche Kinder und Jugendliche, aber auch Jungen erleben online solche Übergriffe.

Was muss ich über die Strategien von Tätern und Täterinnen wissen?

Was muss ich über die Strategien von Tätern und Täterinnen wissen?

Das Vorgehen von Tätern und Täterinnen, die Kinder über digitale Medien missbrauchen wollen, hängt u.a. davon ab, ob das Kind die Personen aus dem privaten Umfeld kennt oder ob es sich um fremde Online-Kontakte handelt. Fremde Täter und Täterinnen nutzen oft auch sogenannte Fake-Profile, in denen sie sich als Gleichaltrige ausgeben oder aber behaupten, sie würden das Kind bekannt oder gar berühmt machen. Andere bauen schnell eine intensive Beziehung zu dem Kind auf und schenken ihm besonders viel Aufmerksamkeit.

Dies kann gerade für Kinder gefährlich werden, die sich eher allein oder wenig verstanden fühlen. Sie lassen sich auf solche Kontakte ein, weil die Aufmerksamkeit genau diese Bedürftigkeit ausnutzt. Es sind oft unterschiedliche Methoden, die Täter und Täterinnen nutzen: Die einen gehen sehr schnell und direkt vor und belästigen Kinder schon beim Erstkontakt sexuell oder fordern intime Fotos oder Videos. Die anderen bauen zunächst ein Vertrauens- und schließlich Abhängigkeitsverhältnis auf, das dann schrittweise in sexuelle Gewalt mündet, u.a. indem sie:

  • dem Kind viele Komplimente und Geschenke machen (z.B. virtuelle Geschenke in Online-Spielen, Geldgeschenke, Schmuck oder sogar neue technische Geräte)
  • immer wieder betonen, wie viele Gemeinsamkeiten man miteinander hat und wie besonders dies ist
  • dem Kind das Gefühl vermitteln, dass sich eine Liebesbeziehung entwickelt, in der man sich alles (auch Sexuelles) anvertrauen kann oder in der sexuelle Handlungen ‚dazu‘ gehören

Solche Strategien können auch von Personen verfolgt werden, die das Kind bereits außerhalb des Internets kennt. Dann besteht vielfach bereits ein Vertrauensverhältnis, aber auch eine einseitige Abhängigkeit, also ein Machtgefälle, wie es z.B. bei Familienangehörigen oder Trainerinnen und Trainern gegeben ist. Das bedeutet, diese Personen befinden sich in einer überlegenen Position, die es ihnen leicht möglich macht, ein Kind zu manipulieren bis hin zu sexuellen Missbrauchshandlungen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es Teil der individuellen Entwicklung von Kindern ist, auch eine sexuelle Neugier zu zeigen, sich informieren und ausprobieren zu wollen. Dazu gehört auch, dass es auf sie positiv wirken kann, wenn sie das Gefühl vermittelt bekommen, beachtet und ernstgenommen zu werden, attraktiv zu sein oder mit ihren Fragen verstanden zu werden. Viele Täter und Täterinnen setzen genau hier an, nutzen Unsicherheiten und Scham- und Schuldgefühle aus, um digitale sexuelle Gewalt auszuüben zu können. Täter oder Täterinnen nutzen dabei gezielt aus, dass ein Kind online meist allein unterwegs ist, also die soziale Kontrolle fehlt und damit eine unbeobachtete digitale Kontaktaufnahme mit dem Kind jederzeit unkompliziert und weitgehend risikolos möglich ist.

Wie kann ich mein Kind vor digitaler sexueller Gewalt schützen?

Leider lassen sich manche Formen digitaler sexueller Gewalt gegen Kinder schwer verhindern. Das liegt auch daran, dass viele Anbieter Sozialer Medien und von Messengern nicht genug für den Schutz von Kindern tun. Täter und Täterinnen können online sehr leicht Kontakt zu Kindern aufnehmen, sie sexuell belästigen, mit sexualisierten und pornografischen Inhalten konfrontieren oder zu sexuellen Handlungen überreden.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Soll ich mein Kind überhaupt ins Netz lassen? – Ja, auf jeden Fall. Für Kinder sind Medienerfahrungen im Internet heute ein wichtiger Bestandteil ihrer Entwicklung. Sie brauchen Möglichkeiten, die digitale Welt für sich zu entdecken. Aber: Dabei benötigen sie Unterstützung, um einen selbstbestimmten Umgang mit Medien zu lernen, Grenzüberschreitungen situativ zu erkennen und auch selbst Grenzen anderer zu respektieren.

Das können Sie tun!

1. Tipp

Schaffen sie ein
vertrauensvolles und verlässliches
Beziehungsverhältnis

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind ist der Schlüssel, um es vor sexueller Gewalt im Internet zu schützen.

Wenn Ihr Kind sich sicher fühlt und offen mit Ihnen über Online-Erfahrungen sprechen kann, können Sie frühzeitig auf Risiken reagieren und Ihr Kind bei einem sicheren Medienumgang unterstützen.
Dazu gehört auch, dass Sie Mediennutzung nicht als Belohnungs- oder Bestrafungskonzept einsetzen sollten. Wenn Ihr Kind ein Handy-Verbot fürchten muss, wird es sich kaum an Sie wenden, wenn es belastende Fotos oder Videos gesehen oder gar selbst digitale sexuelle Gewalt erlebt hat.

2. Tipp

Befassen Sie sich mit der
Mediennutzung Ihres Kindes und
bleiben Sie im Gespräch

Viele Eltern trauen sich nicht, regelmäßig mit Kindern über die Medienerfahrungen und -nutzung zu sprechen.

Das liegt auch daran, dass sie das Gefühl haben, mit den neuen Medientrends nicht mehr Schritt halten zu können. Seien Sie offen und interessiert daran, wie Ihr Kind Medien nutzt, was es besonders gerne tut, welche Apps gerade viel Spaß machen und welche Erfahrungen es dabei online macht. Schaffen Sie Raum und Zeit für regelmäßige Gespräche darüber. Dies hilft dabei, Unsicherheiten abzubauen und Medienerfahrungen (auch Ihre eigenen) miteinander zu teilen.

3. Tipp

Begleiten Sie Ihr Kind
bei dessen Mediennutzung

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Apps, die Ihr Kind nutzen möchte.

Denn gerade am Anfang ist es wichtig, Ihr Kind bei der Mediennutzung nicht allein zu lassen. Erkunden Sie Apps und Online-Spiele miteinander, lernen Sie jeweilige Schutzmaßnahmen dort kennen und stellen Sie diese mit Ihrem Kind zusammen ein (z.B. Privatsphäre-Einstellungen oder Blockier- und Meldefunktionen). Informieren Sie sich selbst zu den neuesten Entwicklungen und Trends, z.B. über die Elternkurse von „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“.

4. Tipp

Bieten Sie Ihrem Kind Zugang
zu sicheren Surfräumen und
nutzen Sie technische
Schutzmaßnahmen

Kinder stoßen im Internet schnell auf ungeeignete Inhalte, mit denen sie noch nicht umgehen können.

Geben Sie Ihrem Kind deshalb je nach Alter und Entwicklungsstand Zugang zu altersgerechten Surfräumen, z.B.

5. Tipp

Nehmen Sie zusätzlich
Sicherheitseinstellungen an den
Geräten vor, die Ihr Kind nutzt.

Kostenlose Jugendschutzprogramme wie JusProg können dabei helfen, dass Ihr Kind nur solche Online-Angebote nutzen kann, die für Kinder geeignet sind.

Der Elternratgeber „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ stellt zudem Anleitungen für die Sicherheitseinstellungen der verschiedenen Betriebssysteme zur Verfügung.

6. Tipp

Seien Sie ein Vorbild für Ihr Kind

Wenn Sie gemeinsam Regeln aufgestellt haben, sollten diese für Sie und Ihr Kind gelten. Reflektieren Sie zudem regelmäßig Ihr eigenes Medienverhalten und seien Sie ein Vorbild im Umgang mit Inhalten. Dazu gehört z.B., dass Sie Fotos von Ihrem Kind nicht bedenkenlos auf Ihren Social-Media-Kanälen teilen sollten. Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie selbst darauf achten, welche Inhalte Sie posten, können Sie Ihrem Kind besser vermitteln, warum es auch sehr genau darauf achten sollte, welche Inhalte es postet.

7. Tipp

Seien Sie ein Vorbild für Ihr Kind

Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit Medien umgehen.

Wenn Sie gemeinsam Regeln aufgestellt haben, sollten diese für Sie und Ihr Kind gelten. Reflektieren Sie zudem regelmäßig Ihr eigenes Medienverhalten und seien Sie ein Vorbild im Umgang mit Inhalten. Dazu gehört z.B., dass Sie Fotos von Ihrem Kind nicht bedenkenlos auf Ihren Social-Media-Kanälen teilen sollten. Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie selbst darauf achten, welche Inhalte Sie posten, können Sie Ihrem Kind besser vermitteln, warum es auch sehr genau darauf achten sollte, welche Inhalte es postet.

8. Tipp

Klären Sie Ihr Kind
über Online-Risiken wie
digitale sexuelle Gewalt auf

Kinder sollten wissen, welche Risiken mit ihrer Mediennutzung einhergehen können.

Klären Sie Ihr Kind über ungewollte Kontaktaufnahmen, sexuelle Belästigungen sowie sexuellen Missbrauch im Internet auf. Verängstigen Sie Ihr Kind dabei nicht, sondern unterstützen und stärken Sie es v.a. darin:

  • eigene Grenzen zu setzen, wenn es sich online unwohl fühlt
  • Warnsignale zu erkennen
  • ungewollte Kontakte abbrechen und melden zu können
  • sich Hilfe zu holen, wenn es digitale sexuelle Gewalt erlebt hat

Was kann ich tun, wenn mein Kind von digitaler sexueller Gewalt betroffen ist?

Viele Kinder trauen sich nicht darüber zu sprechen, wenn sie sexuelle Gewalt erlebt haben. Dies gilt auch für digitale sexuelle Gewalt. Kinder empfinden ein großes Schamgefühl, insbesondere wenn von ihnen Missbrauchsdarstellungen entstanden sind, und sie Angst haben, jemand könnte diese sehen. Täter und Täterinnen geben Betroffenen zudem das Gefühl selbst Schuld zu sein und drohen den betroffenen Kindern in vielen Fällen mit Konsequenzen, wenn sie jemandem von den Vorfällen erzählen.

Achten Sie auf Warnsignale des Kindes:

  • Welchen Social-Media-Kanälen/ Influencern folgst du? Was gefällt dir an ihnen?
  • Welche Social-Media-Apps benutzt du am häufigsten? Was fasziniert dich an ihnen?
  • Welches ist dein Lieblings-Spiel? Möchtest du mir mal zeigen, wie das geht?
  • Fühlst du dich von deinem Handy manchmal gestresst oder überfordert? Hast du eine Idee, was du dagegen tun kannst? Können wir dich als Familie dabei unterstützen?
  • Hast du schon mal Bilder oder Videos gezeigt bekommen, die dich beunruhigt oder verängstigt haben? Was könntest du in Zukunft in solchen Situationen tun?
  • Was machst du am liebsten online?
  • Kennst du die Leute, mit denen du online spielst oder chattest? Hast du Unbekannten schon mal deinen richtigen Namen verraten oder erzählt, wo du wohnst?
  • Bist du im Netz schon mal beleidigt oder belästigt worden? Wie bist du damit umgegangen?
  • Was unterscheidet echte Freunde von Online-Bekanntschaften? Woran erkennst du, ob jemand online wirklich dein Freund ist? Wie sehr vertraust du Online-Bekanntschaften?
  • Hast du jemals selbst Inhalte in den sozialen Medien geteilt, die dir Sorgen bereitet haben? Und wie hast du dich dabei gefühlt?
  • Welches Video oder welche Challenge fandest du besonders lustig/traurig/gruselig?
  • Hast du schon mal erlebt, dass jemand gemobbt wurde? Wie hast du reagiert?
  • Bist du in Online-Communitys oder Gruppen aktiv? Was nimmst du daraus für dich mit? Bist du davon manchmal auch genervt?
  • Gibt es bestimmte Situationen in Social Media, bei denen du dich unwohl fühlst?
  • Wie wichtig sind dir Likes, Kommentare oder Bewertungen deiner Beiträge? Warum?
  • Wie findest du in Social Media heraus, was echt ist und was fake?
  • Was kannst du tun, wenn du dich nach Insta oder TikTok eher schlechter als besser fühlst?
  • Können wir an den Regeln oder Vereinbarungen, die wir als Familie für deine Online-Aktivitäten haben, etwas ändern/verbessern?

Wenn Ihr Kind mit digitaler sexueller Gewalt konfrontiert ist, sollten Sie unbedingt jeden weiteren Schritt mit Ihrem Kind gemeinsam besprechen:

  • Sichern Sie Beweise auf dem Gerät des Kindes (Screenshots, die den sexuellen Missbrauch belegen). Verschicken Sie die Inhalte nicht auf Ihre Geräte oder an andere Personen
  • Melden Sie die Fotos oder Videos bei dem jeweiligen Online-Dienst (z.B. Instagram) sowie bei der internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net, um die Aufnahmen entfernen zu lassen
  • Sorgen Sie dafür, dass der Kontakt zum Täter oder zur Täterin abgebrochen sowie die Person blockiert und auf der Online-Plattform gemeldet wird
  • Wenden Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind an die Polizei und bringen Sie die Tat zur Anzeige

Checkliste: Ist mein Kind fit für ein eigenes Smartphone?

Sollte es schon alleine Apps installieren? Weiß es, welche Daten und Fotos nicht geteilt werden sollten? Ist WhatsApp oder TikTok für mein Kind okay? Die Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen fällt vielen Eltern schwer. Mit der folgenden Checkliste wollen wir Ihnen bei der Entscheidung „Smartphone – ja oder nein?“ helfen. Kreuzen Sie an, was Ihr Kind bei der Handynutzung schon kann. Je mehr Punkte mit einem Haken versehen wurden, desto eher ist Ihr Kind schon „fit“ für ein eigenes Smartphone. Wir empfehlen, dass Sie mit Ihrem Kind die noch ausstehenden Punkte besprechen.

Das kann Ihr Kind:

  1. Sicherheitseinstellungen aufrufen
    Sicherheitseinstellungen aufrufen und dort Einstellungen ändern (PIN oder Passwort erstellen und ändern, Bildschirmsperre einrichten).
  2. Kosten überschauen
    Kosten der (monatlichen) Smartphone-Nutzung (Prepaid oder Tarif) überschauen.
  3. Kosten einschätzen
    Erkennen, wo Kosten anfallen (z. B. In-App-Käufe) und entsprechende Einstellungen am Gerät vornehmen.
  4. GPS-Signal, W-LAN und Bluetooth
    GPS-Signal, W-LAN und Bluetooth selbständig aktivieren und deaktivieren.
  5. Datenroaming ein- oder ausschalten
    Datenroaming für Urlaube außerhalb der EU ein- oder ausschalten.
  6. Apps kritisch prüfen
    Apps auswählen und vor einer Installation kritisch prüfen, ob die Anwendungen sicher und dem eigenen Alter angemessen sind.
  7. Datenschutzrisiken und App-Berechtigungen einschätzen
    Datenschutzrisiken und die Angemessenheit von App-Berechtigungen einschätzen; wissen, wo man sich hierzu informieren kann (z. B. in den AGB, in Foren etc.) und welche Einstellungsmöglichkeiten es gibt.
  8. Umgang mit Informationen/Fotos
    Vorsichtig mit eigenen Informationen/Fotos im Internet umgehen und wissen, was man lieber nicht teilen sollte.
  9. Rechte anderer
    Rechte anderer auch im Digitalen beachten (z. B. niemanden über Messenger beleidigen, Daten, Bilder und andere Informationen anderer nicht ungefragt weitergeben, Hass im Netz melden, etc.).
  10. Bei Problemen Bescheid sagen
    Wissen, bei welchen Problemen man Eltern oder anderen Vertrauenspersonen Bescheid sagen sollte (ängstigende Nachrichten, Anfragen nach Adresse oder freizügigen Bildern, Abzock-Versuche etc.).
  11. Vereinbarte Regeln
    Vereinbarte Regeln für die Handynutzung verstehen und akzeptieren (z. B. nicht am Esstisch, nach 21 Uhr Handy aus etc.).
  12. Handynutzung und Stellenwert des Handys im Alltag
    Handynutzung und Stellenwert des Handys im Alltag kritisch hinterfragen (vor allem hinsichtlich der Nutzungszeiten).
  13. Werbung erkennen
    Werbung erkennen und den Umgang mit verschiedenen Werbeformen verstehen.

Medienerziehung zum Schutz vor digitaler sexueller Gewalt

Um Ihr Kind vor digitaler sexueller Gewalt zu schützen, ist ein sicheres und vertrauensvolles Eltern-Kind-Verhältnis auch beim Heranführen an digitale Medien von entscheidender Bedeutung. Zeigen Sie Interesse an den OnlineAktivitäten Ihres Kindes und begegnen Sie den Mediengewohnheiten ohne Vorurteile. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn Sie nicht verstehen, warum Ihr Kind bestimmte Online-Dienste oder Inhalte mag, die Ihnen selbst eher fremd sind.

Der mitunter wichtigste Rat für die Medienerziehung ist: Bleiben Sie im Austausch mit Ihrem Kind zu dessen Medienerfahrungen!

Doch wie können Sie mit Ihrem Kind überhaupt in ein Gespräch gehen?

So kommen Sie ins Gespräch zur Mediennutzung Ihres Kindes

Ihrem Kind über seine Online-Erlebnisse dienen. Sie sollen dabei helfen, die Erfahrungen besser zu
verstehen und mit Online-Risiken, wie u.a. digitaler sexueller Gewalt, besser umzugehen. Hierbei
handelt es sich nicht um eine Checkliste.

Suchen Sie Fragen heraus, die am besten zu den aktuellen Mediennutzungsgewohnheiten Ihres
Kindes passen.

  • Welchen Social-Media-Kanälen/ Influencern folgst du? Was gefällt dir an ihnen?
  • Welche Social-Media-Apps benutzt du am häufigsten? Was fasziniert dich an ihnen?
  • Welches ist dein Lieblings-Spiel? Möchtest du mir mal zeigen, wie das geht?
  • Fühlst du dich von deinem Handy manchmal gestresst oder überfordert? Hast du eine Idee, was du dagegen tun kannst? Können wir dich als Familie dabei unterstützen?
  • Hast du schon mal Bilder oder Videos gezeigt bekommen, die dich beunruhigt oder verängstigt haben? Was könntest du in Zukunft in solchen Situationen tun?
  • Was machst du am liebsten online?
  • Kennst du die Leute, mit denen du online spielst oder chattest? Hast du Unbekannten schon mal deinen richtigen Namen verraten oder erzählt, wo du wohnst?
  • Bist du im Netz schon mal beleidigt oder belästigt worden? Wie bist du damit umgegangen?
  • Was unterscheidet echte Freunde von Online-Bekanntschaften? Woran erkennst du, ob jemand online wirklich dein Freund ist? Wie sehr vertraust du Online-Bekanntschaften?
  • Hast du jemals selbst Inhalte in den sozialen Medien geteilt, die dir Sorgen bereitet haben? Und wie hast du dich dabei gefühlt?
  • Welches Video oder welche Challenge fandest du besonders lustig/traurig/gruselig?
  • Hast du schon mal erlebt, dass jemand gemobbt wurde? Wie hast du reagiert?
  • Bist du in Online-Communitys oder Gruppen aktiv? Was nimmst du daraus für dich mit? Bist du davon manchmal auch genervt?
  • Gibt es bestimmte Situationen in Social Media, bei denen du dich unwohl fühlst?
  • Wie wichtig sind dir Likes, Kommentare oder Bewertungen deiner Beiträge? Warum?
  • Wie findest du in Social Media heraus, was echt ist und was fake?
  • Was kannst du tun, wenn du dich nach Insta oder TikTok eher schlechter als besser fühlst?
  • Können wir an den Regeln oder Vereinbarungen, die wir als Familie für deine Online-Aktivitäten haben, etwas ändern/verbessern?

Heft 8: Das erste Smartphone - Wie kann ich mein Kind vor sexueller Gewalt im Internet schützen?

Hier können sie den Inhalt dieses Artikels als PDF herunterladen. Wir erklären, wie sich sexuelle Gewalt im Internet zeigt und was du machen kannst, um dein Kind zu schützen. Mit Checkliste: Ist mein Kind bereit für ein Smartphone?

Heft 4: Wie kann ich mit meinem Kind über sexuelle Gewalt sprechen?

Über sexuelle Gewalt zu sprechen fällt vielen nicht leicht, insbesondere wenn es um das eigene Kind geht. Sie finden in dem Heft „Wie kann ich mit Kindern über sexuelle Gewalt sprechen?“ unserer „Nicht Wegschieben“-Reihe Hilfestellung, worauf Sie in Gesprächen achten sollten, um Ihr Kind zu schützen und zu unterstützen.

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